| Er hat den Alltag vereinfacht und beschleunigt - und wirkt doch oft nur im Verborgenen. Knöpfe, Miederhäkchen oder Klettverschluss können ihm in der Praxis häufig nicht das Wasser reichen: Die Rede ist vom Reissverschluss, den der amerikanische Ingenieur Whitcomb Leonard Judson im vorletzten Jahrhundert erfand.
Ursprünglich als Schuhverschluss angelegt, hat der Reissverschluss seinen Siegeszug um die Welt von ganz unten aus angetreten. Heute ist er von der Mode bis zur Raumfahrt aus keinem Bereich des modernen Lebens mehr wegzudenken. Weil die hoch geschnürten Stiefel seinerzeit recht umständlich anzuziehen waren, experimentierte Whitcomb Leonard Judson aus Chicago mit einer Verschluss-Technik aus Haken und Ösen und meldete schliesslich im August 1893 auf seinen «C-Curity»-Verschluss (sprich: «Security») Patent an. Der erste Reissverschluss war geboren.
Freilich: Schon zuvor gab es Versuche, einen solchen automatischen Verschluss zu kreieren. Der Nähmaschinenerfinder Elias Howe etwa hatte 1851 ein Patent in diese Richtung eingebracht. Allerdings war das Ur-Reissverschluss-System nicht wirklich funktionstüchtig, und auch Judsons Erfindung hatte seine Tücken:
Entweder verklemmten sich die Haken und Ösen bereits beim Schliessen hoffnungslos, oder sie drohten im denkbar ungünstigsten Moment aufzuspringen.
Anders erging es dem Ingenieur Whitecomb L. Judson aus Chicago: Ihm war das Schnürsenkelbinden zu umständlich und er tüftelte sich ein System, das ihm Erleichterung schaffen sollte.
Ein erster Durchbruch gelang Judsons Konstruktion, als US-Oberst Lewis Walker nach Besuch der Weltausstellung in Pennsylvania die Firma «Automatic Hook & Eye Company» gründete, um darin gezielt mit der Reissverschlussproduktion zu beginnen.
Anders als die Frauen in den USA, empfanden die Französinnen das Accessoire, das Aronson einführte, als hässlich und plump. Damit die Firma überleben konnte, wurden Reissverschlüsse nur noch für Zelte oder Postsäcke verwendet.
Gideon Sundback, der übrigens Judsons Tochter heiratete und somit das Patent über den Schwiegervater erbte, liess noch zwei weitere Patente anmelden und ermöglichte damit die maschinengesteuerte Serienproduktion des Reissverschlusses.
Seinem ersten Massenartikel, einem Geldbeutel mit Reissverschluss, folgten wetterfeste Anzüge für Marinelotsen - gerade rechtzeitig zum Beginn des ersten Weltkrieges.
Die Zivilbevölkerung konnte die Kleidungsvariationen erst nach dem Krieg ausprobieren: Im Jahre 1923 beispielsweise brachte die amerikanische Firma B. F. Goodrich Überschuhe mit Reissverschluss auf den Markt. Ein Angestellter derselben Firma prägte übrigens den nicht nur in den USA gebräuchlichen Ausdruck «Zip», der Schwung bedeutet.
Da der Zip vor allem bei eng anliegenden Kleidungsstücken vorteilhaft gegenüber Knöpfen oder Hakenverschlüssen war, verbreitete er sich auch in Europa nach dem Krieg schnell. In England konnte man beispielsweise ab 1927 die ersten Sportanzüge mit Reissverschluss kaufen und von 1935 an gab es Männerhosen mit Zip.
Beliebtes Accessoire wurde der Reissverschluss, als ihn Elsa Schiaparelli in Paris in die haute Couture einführte. Vom regenbogenfarbenen Zier-Reissverschluss bis zum schlichten Nylon-Zip zierten verschiedenste Varianten die Modekollektionen. Und so ist es bis heute geblieben. Allein Deutschland produziert pro Jahr um die 70 Millionen laufende Meter Reissverschlüsse. Egal ob als praktischer Verschluss oder als raffinierte Verzierung - der Reissverschluss ist aus unserer Alltagswelt nicht mehr wegzudenken. |
| (Quelle: http://www.treffpunktboulevard.ch) |